Posts mit dem Label Precision Medicine werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Precision Medicine werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 3. April 2018

FHIR für Fortgeschrittene: Clinical Reasoning

Der FHIR-Standard strukturiert seine Ressourcen und Module in fünf Levels:
  • Level 1 bildet die strukturelle Basis des Standards
  • Level 2 bietet Informationen und Quellen zur Implementierungsunterstützung
  • Level 3 beinhaltet administrative Ressourcen von UseCase-übergreifender Relevanz
  • Level 4 gruppiert UseCase-spezifische Ressourcen
  • Level 5 erläutert, wie man - basierend auf den darunter liegenden Levels - strukturierte und standardisierte Daten für wissensbasierte Systeme nutzen kann.

Das "Clinical Reasoning"-Modul bietet Ressourcen und Operationen zur Erfassung, Präsentation, Verteilung und Anwendung klinischen Wissens, beispielsweise für Entscheidungsunterstützungs-Systeme, klinische Protokolle oder zur Evaluation von Erfolgskriterien.
Weiterhin enthält das Modul die Sprache und Syntax für die Definition dynamischer Regeln.
Dabei deckt das Modul sowohl einfache Szenarien, wie die Bereitstellung von OrderSets bei bestimmten Diagnosen als auch komplexe klinischen Pfade für multimorbide Patienten ab.

Im Gegensatz zum FHIR-basierten Framework "CDS-Hooks", das die standardisierte Einbindung von Decision Support-Diensten in der Cloud und/oder von Drittanbietern definiert, spezifiziert das Clinical Reasoning-Modul die Inhalte und Logiken solcher Systeme.

FHIR Level 5 zeigt auf, wie standardisierte, strukturierte Daten verwendet werden können, um einen effektiven Beitrag zur Verbesserung der Behandlungsqualität zu leisten und dient als Bindeglied zwischen Klinik und Forschung.

Dienstag, 16. Januar 2018

Lesenswert: Genes on FHIR

Der Artikel "These Genes are on FHIR" zeigt die ersten Ergebnisse des "Sync for Genes" Programmes, darunter FHIR-Profile und -Ressourcen für den standardisierten Austausch genetischer Informationen im Rahmen der "Precision Medicine Initiative" sowie fünf verschiedene Pilot-Programme, die diese Ressourcen implementieren.
"Der rasante Fortschritt im Bereich der Genetik und das Fehlen standardisierter Ansätze für Datensammlung und -Austausch haben inkompatible Infrastrukturen und Nomenklaturen hervorgebracht. Ein standardisierter Ansatz war dringend nötig um sicherzustellen, dass genetische Information zwischen Informationssystemen im Gesundheitswesen ausgetauscht und mit anderen klinischen Daten integriert werden kann.
Die Arbeitsgruppe "Clinical Genomics" macht sich die schnellen Fortschritte bei der Entwicklung des FHIR-Standards zu nutze und definiert geeignete Profile und Ressourcen damit genetische Informationen konsistent und interoperabel zwischen Forschern, leistungserbringern und Patienten ausgetauscht werden können."

Dienstag, 14. November 2017

FHIR-Anwendungen von A-Z

FHIR, der neue webbasierte Standard aus der HL7 Familie, findet dieser Tage viel Beachtung, wird jedoch häufig in einem Atemzug mit "mobilen Apps", "Wearables" und anderen "Gadgets" genannt, die zur Einschätzung verleiten, dass es sich bei FHIR-Implementierungen eher um Spielzeug als um unmittelbar nutzbringende Entwicklungen handelt.

Doch die potentiellen Einsatzbereiche für FHIR gehen weit über das Mobile Computing hinaus.

FHIR kann mehr als "mobile Apps"

FHIR basiert auf etablierten und weit verbreiteten Web-Technologien. Diese solide Basis zusammen mit einem Framework aus modularen Objekten, die verlinkt und dadurch immer wieder neu kombiniert und zu komplexen Strukturen zusammengefügt werden können, machen FHIR zu einer hochgradig flexiblen und skalierbaren Lösung, nicht nur zum Datenaustausch, sondern auch als standardisiertes Format für die Speicherung, Modellierung und Validierung von Daten.

FHIR ist anders als bisherige Standards

Anstatt Informationen zu einem Dokument oder einer Nachricht aggregiert von Sender zu Empfänger zu schicken, erhalten die einzelnen Informationseinheiten eine URL, auf die FHIR-Systeme wie ein Browser auf eine Webseite zugreifen können, nach denen sie "googeln" oder die sie herunterladen können. Konsequenter Weise sind diese Informationen über eben jene URLs miteinander verlinkt.

Die Informationseinheiten werden als "Ressourcen" bezeichnet. Beispiele für in FHIR definierte Ressourcen sind: ein Patient, ein Medikament, eine Allergie oder eine Diagnose.

Verlinkte, also zusammengehörende Ressourcen können - wenn erforderlich - zu einem Dokument oder einer Nachricht gebündelt versendet oder archiviert werden, so dass auch die von bisherigen Standards abgebildeten Funktionen eine Äquivalenz in FHIR finden.

Die größte Revolution ist jedoch die Abkehr vom "Push"-Modell, in dem jeder Datenempfänger darauf warten muss, dass beim Sender ein bestimmtes Ereignis eintritt, das den Dokumente- oder Nachrichtenversand auslöst, hin zu einem Query-getriebenen Ansatz, in dem Daten bereitgestellt und zu einem beliebigen Zeitpunkt in beliebigen Umfang abgefragt werden können.

"Zeige mir Deine API und ich integrier' dich"

Application programming interfaces (APIs) sind in anderen Industrien längst zum Schweizer Messer der Interoperabilität geworden. Entwickler stellen damit im Handumdrehen eine Verbindung zwischen ihrer Applikation und sozialen Netzwerken her oder integrieren die Standortdienste von Google Maps. Dass wir heute Portale nutzen können, die Hotel-, Flug- oder Produktpreise aus unterschiedlichen Systemen vergleichen und das günstigste Angebot für uns finden können, verdanken wir den APIs, die den standardisierten Zugriff auf unterschiedliche Datenquellen ermöglichen.

In Verbindung mit den standardisierten Datenstrukturen und dem Query-getriebenen Ansatz von FHIR sowie einem Framework für Autorisation und Authentifikation, ermöglichen APIs Interaktionen zwischen Systemen, die mit dem reinen Versand von Dokumenten niemals denkbar wäre.
Das Technische Komitee für FHIR von HL7 Deutschland erarbeitet derzeit eine Übersicht möglicher Einsatzszenarien mit Erläuterungen und weiteren Informationsquellen, die in Kürze auf den Wiki-Seiten von HL7 Deutschland veröffentlicht wird. 

Eine (unvollständige) Vorschau:

-A-
Arzneimittelwechselwirkungen
Ärzteverzeichnis
AuditTrails
Authentifikation und Autorisation

-B-
Big Data Analytics

-C-
Chemotherapie 
Clinical Decision Support

-D-
Dokumentenaustausch

-F-
Fragebögen und Formulare

-G-
Genomics

-H-
Hilfsmittelverzeichnis

-I-
IHE-Profile

-K-
Konformitäts- und Kompatibilitätsprüfung
Klinische Studien

-L-
Logische Modelle

-M-
Medikationsplan

-N-
Nachrichtenbasierte Kommunikation

-O-
Ontologien

-P-
Patient Empowerment
Personalisierte Medizin
Phamakogenomische Studien

-Q-
Query-getriebene Kommunikation

-R-
RDF - Resource Description Framework

-S-
SMART on FHIR
Strukturierte Dokumente

-T-
Terminvereinbarung
Terminologie-Dienste

-U-
Ultrakurzformat (Medikationsplan)

-V-
Versichertenstammdatenmanagement (VSDM)
Veterinärmedizin




Dienstag, 7. November 2017

Sync4Science: Ich spende meine Daten der Wissenschaft!

Im Februar 2016 startete das US-amerikanische National Institute of Health (NIH) in Zusammenarbeit mit der Harvard Medical School ein Projekt namens Sync for Science (S4S), dessen erklärtes Ziel es ist, Patienten in die Lage zu versetzen, klinischen Forschern Zugriff auf ihre Behandlungsdaten zu gestatten - gewissermaßen als "Datenspende" an die Wissenschaft.
Auf diese Prinzip setzt auch das "All-of-Us"-Programm, das Daten zum Lebenswandel, der Umwelt und Genetik von über einer Million Amerikanern sammelt, um die Forschung im Bereich der "Precision Medicine" voranzubringen. Hierfür kommt bereits das speziell für S4S konzipierte FHIR/OAUTH-Framework zum Einsatz.
Inzwischen sind auch die Hersteller der Klinischen Informationssysteme (KIS) mit an Bord, die diese Daten liefern müssen. Große Namen wie Allscripts, Athenahealth, Cerner, DrChrono, Epic, und McKesson tauchen in der Liste der Pilot-Entwickler auf. Da in den USA die Implementierung von FHIR-APIs im Rahmen von "Meaningful Use Stage 3" ab 2018 ohnehin obligatorisch ist und sich FHIR-Interfaces aufgrund ihrer Modularität immer wieder verwenden lassen, fällt der Mehraufwand entsprechend gering aus. 
Einmal implementiert, wird es das S4S-Framework Patienten gestatten, einer studien-spezifischen App Zugriff auf dessen Behandlungsdaten im KIS zu gewähren, den Zugriff einzuschränken, oder auch wieder ganz zu entziehen. 
...oder einfach von Obama erklären lassen:


...oder am 17.11.2017 auf die FHIR DeveloperDays nach Amsterdam kommen und an Josh Mandel's  (Harvard Medical School) S4S-Tutorial teilnehmen!