Mittwoch, 10. Januar 2018

Continua on FHIR: Kommunikationslücke zwischen ConsumerHealthCare und Gesundheitsdienstleistern schließen!

Die Zeiten in denen Blutdruck- und Glukose-Messwerte von Patienten in Notizheftchen eingetragen wurden, um Fortschritt und Verlauf der eigenen Erkrankung im Blick zu behalten, sind vorbei.

Längst haben moderne, bezahlbare bluetooth-fähige Geräte verbunden mit Smartphone-Apps und Cloud-Diensten den Markt erobert.

Einerseits bietet dieser Trend große Chancen, die Betreuung chronisch Kranker zu verbessern, die Anzahl erforderlicher Arztbesuche zu verringern, Senioren länger ein unabhängiges Leben im eigenen zu Heim zu ermöglichen, Forschern eine kostengünstige Möglichkeit zum Follow-Up von Studienteilnehmern zu bieten oder mit pfiffigen Apps und integration Sozialer Netzwerke, Compliance und Motivation von Patienten zu erhöhen.

Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Bedenken bezüglich der Qualität und Vergleichbarkeit der gemessenen Daten werden ebenso angeführt, wie Mängel bei Sicherheit und Datenschutz.

Die Personal Connected Health Alliance (PCHA) ist ein Zusammenschluss von Herstellern mit dem Ziel, die Kommunikation mit medizinischen Geräten und Sensoren im Consumer-Bereich einfach, kompatibel und sicher zu gestalten und mit Hilfe von Standardisierung und Zertifizierung die Qualität der Geräte und der gemessenen Daten vergleichbar zu machen.

Ähnlich wie IHE definiert die PCHA dazu keine eigenen Standards, sondern setzt auf etablierte Definitionen z.B. IEEE, Bluetooth oder HL7 und füllt - wo erforderlich - die Lücken. Die resultierenden Spezifikationen werden als Continua Design Guidelines veröffentlicht.

Die Guidelines unterteilen die Kommunikation in ein mehrstufiges Modell:

Quelle: wiki.hl7.org
Am Beispiel eines konkreten Szenarios könnte die Kommunikation folgendermaßen ablaufen:

  1. Ein Glukose-Messgerät übermittelt die gemessenen Daten per Bluetooth an ein Smartphone
  2. der Patient entscheidet, die Messdaten mit seinem Hausarzt zu teilen und gibt Sie an einen entsprechenden (Cloud-)Service frei. 
  3. Nach einer Validierung der Daten kann der Hausarzt die Daten in die Elektronische Patientenakte übernehmen

Während die Kommunikation zwischen Gerät und "Personal Health Gateway" basierend auf IEEE 11073 und Transportstandards wie Bluetooth oder USB gesetzt und etabliert ist, bereitete die bisherige Spezifikation zur Kommunikation zwischen PHG und Cloud-Dienst sowie der Integration in die elektronische Patientenakte basierend auf dem IHE-Profil "PCD-01" bei der Implementierung immer wieder Kopfschmerzen.

PCD-01 setzt auf Nachrichten im HL7 V2 Format, das in der Krankenhaus-IT-Welt zwar seit Jahrzehnten etabliert ist, Web-Entwicklern jedoch geradezu anachronistisch erscheinen muss.

Weiterhin erforderte die Integration in die elektronische Patientenakte wiederum eine "Umschlüssselung" der V2 Nachricht in CDA und die Implementierung eines weiteren IHE-Profils: XDS.b

Insgesamt kommt man damit auf ein beachtliches Sammelsurium zu implementierender Standards: HL7 V2, HL7 V3 (CDA), SOAP, SAML, ebXML, ATNA (DICOM) ...
Entsprechend aufwendig und teuer gestaltet sich die Entwicklung darauf basierender Applikationen.

Der Ruf der Implementierer nach einheitlichen, modernen, webbasierten Protokollen wurde von der PCHA gehört: Am 14.12.2017 wurde die erste FHIR-basierte Continua Guideline veröffentlicht.
Damit schafft PCHA die Möglichkeit, Continua-zertifizierte Applikationen schneller und kostengünstiger zu implementieren, da auf etablierte Webstandards wie REST und OAUTH2 zurückgegriffen werden kann und der umfangreiche Stack an FHIR-Tools und Bibliotheken nutzbar wird.
Die Kommunikation zwischen Personal Health Gateway, CloudService und Elektronischer Gesundheitsakte kann damit basierend auf einem einheitlichen Standard-Framework implementiert werden. Für die Integration der Sensoren und Geräte bietet die Guideline Mappings zwischen IEEE 11073 und den FHIR-Ressourcen "DeviceComponent und Observation" an.

Am 24. Januar bietet die PCHA ein kostenloses Webinar zum Thema "Continua on FHIR" an!

Gute Nachrichten für Deutschland:
2017 trat die PCHA dem Spitzenverband IT-Standards im Gesundheitswesen (SITiG) bei, um gemeinsam mit IHE-DE und HL7-DE die Standardisierung in Deutschland zu fördern.


Links:
http://www.pchalliance.org/continua-design-guidelines
https://www.slideshare.net/DevDays/furore-devdays-2017-continua-implementing-fhir

Mittwoch, 20. Dezember 2017

FHIRtagsgrüße

Wir wünschen allen unseren Kunden und der gesamten Community
frohe FHIRtage!


Dienstag, 21. November 2017

Bericht von den FHIR Developer Days 2017

Vom 15.-17. November 2017 haben zum vierten mal die FHIR Developer Days in Amsterdam stattgefunden.

Kein Mitglied der Community lässt sich diese Gelegenheit gerne entgehen:
Den vertraut gewordenen Namen, mit denen man über Monate hinweg im FHIR-Chat kommuniziert hat Gesichter zuzuordnen; denjenigen,  die bei Problemen geholfen und beraten haben, persönlich zu danken; den Mitgliedern des FHIR-Core-Teams, die zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit sind, Fragen zu beantworten, Unklarheiten zu beseitigen und die Welt von FHIR zu erklären, die Hand zu geben.

James Agnew  formuliert es trefflich: es ist die alljährliche  "health standard nerd pilgrimage" nach Amsterdam!

Die Teilnehmer spiegeln in Anzahl und Diversität die Entwicklung der FHIR-Community wieder: Aus 24 Ländern reisten in diesem Jahr 330 "standard nerds" von 140 verschiedenen Organisationen an, darunter viele große Namen wie Agfa, Cerner, IBM, Google, Microsoft, Epic, Philips und Samsung. Damit konnten die DevDays wie bereits im Vorjahr ihre Teilnehmerzahl um 50% steigern. 50% ist dabei auch der Anteil derer, die in diesem Jahr zum ersten Mal teilgenommen haben.

Deutschland ist nicht länger "nur Zuschauer"

Aus Deutschland nahmen über 40 Personen teil: Agfa, Gefyra, Gematik, Hasso Plattner Institut, Health-Comm, IBM, IKMB, InterSystems, LHIC, Medavis, Molit Institut, OSM, Siemens, Synedra sowie die Unis Aachen, Heilbronn, Lübeck, Köln, Bonn waren vertreten. Doch nicht nur zahlenmäßig war die deutsche Beteiligung ein großer Erfolg! So konnten die Studenten der TH Köln den begehrten "Student Award" mit nach Hause nehmen und auch der inoffizielle "Best Dressed Award",  ging an die deutsche Delegation.
Vollgepackt mit über 70 Tutorials, Vorträgen und Hack-a-thon-Sessions boten die DevDays erfahrenen Entwicklern eine Gelegenheit zum Austausch und ermöglichten Neulingen einen schnellen Einstieg in den FHIR-Standard.

Eine beliebte Tradition der DevDays sind die "Birds-of-a-feather"-Sessions, bei der sich Gleichgesinnte spontan zu einer Diskussionsrunde zusammenfinden. Diskutiert wurden in solchen ad-hoc-Sessions in diesem Jahr unter anderem die Frage nach poly-hierarchischen FHIR-Profilen, "SQL on FHIR", die Versionierung von Implementierungs-Leitfäden und die Weiterentwicklug von "R on FHIR".

Aufsehenerregende Keynotes 

Zielgruppengerechtes Give-Away
Rolf Hut von der Technischen Universität Delft überzeugte mit seiner Argumentation, dass APIs es uns erlauben, Technologien zu nutzen, ohne bis ins kleinste Details verstehen zu müssen, wie diese funktionieren; dass sie uns damit eine breite Palette von Werkzeugen und Bausteinen nutzbar machen, ohne dass wir uns den endlosen Tiefen ("Turtles all the way down") verweisender Spezifikationen verlieren. Dies belegte er anschaulich mit einem Kästchen aus zusammengeworfenen Elektronikbausteinen, das Temperaturen messen, über eine LED visualisieren und als FHIR-konforme Ressource an einen Server übermitteln konnte. Zur großen Freude aller gab es insgesamt 200 Kopien dieses Kästchens, die den Teilnehmern zum ausprobieren und weiterentwickeln überlassen wurden.

Eyal Oren von Google, USA überraschte mit der Enthüllung, dass Google de-identifizierte medizinische Massendaten in FHIR-Resourcen überführt, um sie einheitlich strukturiert als Datenbasis für das Training neuronaler Netze verwenden zu können. Die Funktionsweise des maschinellen Lernens demonstrierte Oren eindrucksvoll an einem Live-System. Auch Google hatte Geschenke für die FHIR-Community im Gepäck, nämlich die Zusage, dass die von Google entwickelten FHIR-Tools im Laufe der nächsten Monate als Open Source publiziert und damit der Community zur Verfügung gestellt werden.

Grahame Grieve, einer der "Erfinder" und Produktmanager von FHIR, verschob den Fokus fort von der Technologie: Die Community sei es, so Grieve, die FHIR zu einem Erfolg mache. Er appellierte an die Nutzer von FHIR, den Standard nicht nur passiv zu konsumieren, sondern sich zu engagieren, mitzureden, Fragen zu stellen und einen eigenen Beitrag zu leisten, um FHIR besser zu machen.

Save the date

Der nächste Termin für die FHIR DevDays steht bereits fest: In 2018 wird es vom 19.-21. Juni erstmals eine Veranstaltung auf amerikanischem Boden in Boston geben. Im November 2018 werden dann wieder die "Original"-DevDays in Amsterdam stattfinden.